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31 Mrz 2017

Fensterfalzlüfter vs. Rollläden

Seit Einführung der DIN 1946-6, Vorgaben der DIN 4108 und der ENEV 2014/16, ist es heute nicht mehr möglich ohne ein Lüftungskonzept einen Neubau oder die Sanierung im Bestandsbau zu planen/auszuführen. Die Forderung nach dem „Mindestluftwechsel für den Feuchteschutz“ ist zwar schon lange gefordert, nun aber mit der Beigabe der Nutzerunabhängigkeit. Soll heißen, der notwendige Mindestluftwechsel muss ohne „Zutun“ der Bewohner erfolgen.

Im Neubau haben verschiedene Lüftungssysteme (zentral oder dezentral) Einzug gehalten welche, entsprechend der energetischen Anforderung an die Gebäudehülle, den kompletten Luftwechsel nutzerunabhängig realisieren. Also Fenster öffnen zwecks Lüftung grundsätzlich nicht mehr notwendig wäre.

Im Bestandsbau werden für energetische Sanierungen auch Fensterfalzlüfter eingesetzt, um den nutzerunabhängigen Mindestluftwechsel für den Feuchteschutz gemäß DIN 1946-6 sicherzustellen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Kostengünstig, im Bauteil –Fenster- integrierbar und keine weiteren Maßnahmen an der Gebäudehülle erforderlich! Die Anzahl der falzintegrierten Lüfter einer Wohneinheit, ergeben sich aus dem Lüftungskonzept mit Angaben der notwendigen auszutauschenden m³/h-Luftmenge.

Soweit so gut, denkt man! … bis es dunkel wird und die Rollläden geschlossen werden.

Dann sind alle guten Lüftungsberechnungen für die Katz. Schlimmer noch: Falls der Mindestluftwechsel ausschließlich über die Fensterfalzlüfter erfolgt (LUV-LEE), findet dieser bei geschlossenen Rollläden nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr statt. Somit auch der nutzerunabhängige Mindestluftwechsel nicht mehr gewährleistet ist.

 

Bautechnische und bauphysikalische Probleme bei Fensterfalzlüfter mit geschlossenen Rollläden:

Neue Rollläden gelten heute als energetisches Bauteil der Fassade, welcher im geschlossenen Zustand energiesparende Wirkung hat. Dieser Forderung kommen auch die Hersteller nach und bauen u.a. die Panzer in kerngedämmten Ausführungen oder bilden die Anschlussbereiche immer dichter aus, an Rollladenführungsschienen und am Panzereinlauf zum Rollladenkasten durch Bürsten- oder Kederdichtungen. Das dient nicht nur der Laufruhe sondern auch der Dichtheit, allerdings steht die Dichtheit der Wirkung von Fensterfalzlüfter kontraproduktiv entgegen!

  1. Im Zeitraum geschlossener Rollläden wird die Forderung des nutzerunabhängigen Mindestluftwechsels für den Feuchteschutz nicht mehr oder nur noch begrenzt erfüllt.
  2. Sollten ausschließlich Fensterfalzlüfter für Zu- und Abluft eingesetzt werden, kann es auf der LEE-Seite dazu führen, dass sich die abströmende warme Raumluft auf der raumseitigen Oberfläche der Rollladenpanzer als Tauwasser niederschlägt und bei besonders kalten Tagen zu Vereisungen führen kann. Des Weiteren werden die Falzbereiche der Fenster mit abströmender Raumluft penetriert, welche im schlimmsten Fall auch im Bereich des Fensterblendrahmens zu Tauwasserausfall führen kann.
  3. Sollten Vereisungen entstehen und der Nutzer diese nicht visuell erkennt, kann es bei Betätigung des Rollladens zu Problemen bei der Öffnung bis hin zum Schaden kommen. Dies gilt besonders, wenn die Anlagen elektronisch bedient oder automatisiert verfahren. Ein Schaden an Motoren/Steuerung/Rollladenpanzer ist nicht auszuschließen.
  4. Sollte lediglich nur „unauffälliges“ Kondensat am Rollladenpanzer vorhanden sein, wird dies auch wegen zunehmender Automatisierung des Antriebs nicht visuell festgestellt. Somit fährt der Panzer auch „nass“ in den Kasten, welcher dessen angrenzende Bauteile penetriert mit möglichen Auffeuchtungen und Schimmelpilzbildungen.
  5. Wird der nutzerunabhängige Mindestluftwechsel nicht durchgängig sichergestellt, kann es zur Erhöhung der raumseitigen rel. Luftfeuchte führen, welche entsprechend der energetischen Qualität der Gebäudehülle zu Schimmelpilzbildung an vorher eher unauffälligen Bauteilbereichen oder im Falzbereich des Fensterblendrahmens führt.

 

Planer und Fensterbauer sind gut beraten, wenn das Thema „geschlossene Rollläden“ mit Fensterfalzlüfter in der Planung berücksichtigt wird. Das wird beim Architekt/Bauherr zwar nicht populär sein, schützt aber den Unternehmer vor möglichen Streitigkeiten im Schadenfall.

  1. Falls nur Fensterfalzlüfter für Zu- und Abluft geplant werden, muss sichergestellt sein, dass die Luftleistung auch bei allen „geschlossenen“ Rollläden gewährleistet ist, also die notwendige Luftleistung durch den Panzer schaden- und vereisungsfrei abgeführt werden kann. Mögliche Maßnahmen wären werksseitige Aussparungen an den unteren Abschlussschienen und Luftschlitze an den oberen Panzerlamellen. Dies nur als erste Idee, welche noch einer Überprüfung bedarf. Solche Maßnahmen haben allerdings den Nachteil, dass eine gänzliche Verdunklung nicht mehr möglich wäre… Eine Kröte, welche nicht jeder Bauherr schlucken wird.
  2. Wenn Fensterfalzlüfter –  dann in Verbindung mit volumengesteuertem Abluftventilator: Aus meiner Sicht die aktuell klügste Option. Aber auch mit Ventilator müssen die Rollladenpanzer die entsprechende (Zu-)Luftleistung sicherstellen und der Ventilator gegen Abschaltung durch die Nutzer geschützt werden.
29 Dez 2016

Sanierung ohne Architekt?

„Klar geht das“ werden die sagen, welche meinen durch Baumarktparolen selbst Chef im Ring zu sein… ob fachlich fundiert oder nicht.
So manch einer überschätzt aber (unwissentlich oder nicht) seine baufachlichen Fähigkeiten und ist der Meinung, dass die beauftragten Handwerker das geldsparende Planungsloch schon füllen werden.

Liebe selbstplanenden Bauherren: >>Das ist nicht möglich<<

Grundsätzlich sieht jeder Handwerker sein Gewerk… denn NUR dafür wird er von der Bauherrschaft (Ihnen) bezahlt und nicht für darüber hinaus gehende Planungsleistungen inkl. der angrenzenden Gewerke.

Eigene Bauherrn-Fähigkeiten einschätzen!
Es macht für Sie als Bauherr keinen Sinn eine Bauplanung -überwachung selbst zu übernehmen, wenn Sie „2 linke Hände“ und von der Materie Bau keine Ahnung haben. Sie werden schon mit der Aufgabe überfordert sein, wenn die Handwerkersmeister Ihnen bereits für die Abfolge/Ausführung der Sanierung Fragen stellen und Sie diese nicht beantworten können.

Wer schaut, wenn es am Bau „schief“ läuft?
Sie als „unwissender“ Bauherr bestimmt nicht! Sie wissen nicht worauf Sie schauen müssen! So kann es zu vollkommen inakzeptablen Bau-Ergebnissen kommen, welche nicht den Handwerksunternehmen zuzuordnen sind, sondern durch mangelnde Planung -überwachung entstanden sind.

Und dann?
…beschäftigen sich oft Gerichte damit, vorhandene Mängel/Schäden/Kosten, welche durch Unfähigkeit des selbstplanenden Bauherrn entstanden sind, an die Adresse(n) der Handwerksfirma (en) abzuwälzen.

Meine Chronik von 2015 – 2016 zu selbstplanenden Bauherrn:

– 68 Gerichts- und Privatgutachten mit selbstplanenden Bauherrn
– Schadensumme aufgrund Fehlplanung: ca. 1,25 Mio €
– Verursacher Handwerker: ca. 22%
– Verursacher Bauherr: ca. 78%

 

Tipp an (künftige) Bauherrn:
Die Leistungen eines Architekten und/oder einer Baubetreuung sind nicht so teuer als Sie denken… gemessen an dem Geld, welches durch eigene falsche Planung/Ausführung aufgewendet werden muss, um diese wieder herzustellen.

Tipp an Handwerksfirmen:
Leider sind Handwerksfirmen immer noch bereit, teils kurios anmutende Aufträge anzunehmen… „Hauptsache Auftrag“. Viel zu selten wird von der schriftlichen Bedenkenanmeldung Gebrauch gemacht, um sich vor möglichen Gewährleistungsansprüchen zu schützen.

An alle Parteien:
„Wer schreibt der bleibt“ ist ein jedem bekannter Spruch, doch viel zu selten werden z.B. mögliche Auftragsänderungen, Terminverschiebungen, geänderte Detailplanungen, etc. auch schriftlich festgehalten.
NUR wer schriftlich nachweisen kann, auf Dies-oder-Das hingewiesen zu haben, kann auch im Zweifel davon ausgehen „Recht“ zu bekommen.

 

6 Dez 2016

Wärmebrücke vs. Kältebrücke

Außer dem falsch verwendeten Begriff „Isolation“ im Bauwesen, gibt es noch einen zweiten falschen „Klassiker“!

Die Kältebrücke

Wer nun glaubt, dass es nur Leien sind, die auf diesen Begriff zurückgreifen täuscht sich. Auch versierte (auch studierte) Fachleute der Planung und Ausführung… und auch manche Sachverständige verwenden den Begriff „Kältebrücke“, um einen Zustand eines Gebäudeteils (Außenwandecke, Heizkörpernische, Betonsturz, etc.) zu beschreiben, wo Wärme von innen-nach-außen schneller abfließt, als in ungestörten/homogenen Bauteilen.

Zu guter Letzt, gibt es Kälte in der Bauphysik nicht. Diese stellt sich erst ab 0°Kelvin / oder -273°Celsius ein. Also den Zustand, wo keine molekulare Bewegungsenergie mehr vorhanden ist.

Solange sich die Molekülchen bewegen… ist das Wäremenergie… und somit eine Wärmebrücke!

1 Mai 2016

Wunderschaum vs. Fachpresse und Verbände

Es muss mich als öbuv. Sachverständigen schon wundern, mit welcher Hartnäckigkeit dem „Wunderschaum“ medial die Bühne geboten wird, obwohl hinlänglich bekannt sein dürfte wie „gefährlich“ der Einsatz des sog. Wunderschaums für den Anwender sein kann. Siehe meine Stellungnahme vom 12.12.2015 hier im Blog.

Obwohl sich die betreffenden Verbände klar zu dem „Wunderschaum“ positioniert haben (u.a. nachlesbar im RAL-Leitfaden), scheint dies (noch) nicht der Fachpresse bekannt zu sein.

Nicht anders lässt sich erklären, dass der bekannte „Wunderschaum-Sachverständige“ in der vorletzten Ausgabe der Fachzeitschrift GFF einen „Fachbeitrag“ veröffentlichte, welcher textlich fast 1:1 einem 6 Jahre alten Gutachten entspricht… damals durch den Hersteller des Wunderschaums beauftragt. Aktuell ist anders! Zwar findet man keine direkte Werbung in diesem „Fachbeitrag“, allerdings pflegte man ungeniert Werbebildmaterial des Herstellers ein… inkl. textlichem Verweis… versteht sich.

Trotz mehrfacher Nachfrage/Kritk  zu diesem „Fachbeitrag“ habe ich bis heute von der Redaktion keine Antwort erhalten. Ein Schelm… der Böses dabei denkt?

 

Es geht noch „schlimmer“!

Wenn ein sogenanntes „Fachseminar“ demnächst am Standort Karlruhe stattfindet, welches lediglich eine Werbeveranstaltung des Herstellers darstellt. Ich gebe zu bedenken: An einer der renomiertesten Tagungsstätten der Branchen Glaser/Tischler/Fenster.

Allen voran als Werbeikone ein öbuv. Sachverständiger, der nach meinem Ermessen den Namen nicht mehr verdient… und höchst zweifelhafte/fragwürdige „Fach“-Vorträge mittelerweile hält.

Sollte ein Seminarteilnehmer Fragen zu dem Vortrag haben… kann der Dialog am Werbestand des Wunderschaumherstellers fortgesetzt werden, wo sich der „Sachverständige“ kurz nach Vortragsende einfinden wird.

Status/Ansehen von Sachverständigen öffentlich bestellt und vereidigt?

  1. Einem öbuv Sachverständigen ist die öffentliche Bestellung abzuerkennen, wenn er diese eigennützig, interessenbezogen und kommerziell missbraucht!
  2. Ein öbuv Sachverständiger sollte Kenntnis über die Sachverständigenordung haben (z.B. Unparteilichkeit, etc.)

Dies scheint von dem (ehemaligen) „renomierten“ Sachverstänigen ignoriert.

 

Mein Fazit:

Ich habe kein Problem damit, wenn sich auch ein öbuv. Sachverständiger von der Industie für dessen Interessen „kaufen“ lässt. Ein seriöser Sachverständiger hebt dann allerdings seine öffentliche Bestellung auf und/oder gibt die enge Verbindung (Lobbyarbeit) zu dem Industieunternehmen bekannt.

In diesem Fall, wiegt es besonders schwer, weil der Sachverständige in seinen „Seminaren/Vorträgen“ immer gerne den Wortlaut verwendet: „Nur im Interesse, der Tischler/Schreiner zu handeln!

… und doch die Kollegen interessengesteuert in die Pfanne zu hauen…

… und wir als seriöse öbuv. SV´s den Schmarn bei einem Schaden erklären müssen, was der Fensterbauer „falsch“ gemacht hat!

 

 

 

28 Mrz 2016

IBAN: Denken Sie auch an Ihre Kunden?

Jeder kennt die Situation: Man möchte Rechnungen überweisen und schon die Suche nach der IBAN bedarf Fähigkeiten eines Pfadfinders um diese auf dem Rechnungsschreiben zu finden… und auch noch lesen zu können.

Die wichtigste Information, also die Bankverbindung, wird oft nicht nur im Datensammelsurium in der Kopf- oder Fußzeile beigemengt, sondern auch in einer Schriftgröße dargestellt, dass es die Augen des Betrachters (Zahler) beleidigen muss.

Um die Gutmütigkeit des Zahlungswilligen noch weiter auf die Probe zu stellen, werden nicht selten die Zahlenkombi der IBAN durchgängig geschrieben, was bei der Vielzahl vorkommender Nullen, das Equipment eines Detektivs benötigt um nicht zu viel… oder zu wenig Nullen auf den Zahlungsträger der Überweisung zu schreiben.

Nun, bei Onlineüberweisungen bekommt man wenigstens die Info, dass die IBAN nicht stimmen kann, wenn man sich >vertippt< hat.

Spätestens dann hat man den Zahlungswilligen in eine Stimmung gebracht, dass er Ihre guten Leistungen vielleicht nicht mehr so ganz positiv sieht, aufgrund Ihrer Rechnungsstellung.

 

Welche IBAN können Sie besser erkennen?

IBAN: DE51512400000630045021

IBAN: DE51 5124 0000 0630 0450 21

 

Tipps:

  1. Trennen Sie die Bankverbindung aus Ihrem Datensammelsurium (Adresse, Fonnummer, Mail, Web) in ihren Vordrucken.
  2. Platzieren Sie die Bankverbindung auf Ihrem Vordruck so, dass Ihr Kunde diese sofort erkennen kann.
  3. Wählen Sie eine Schriftgröße, welche angenehm zu lesen ist.
  4. Fügen Sie Freizeichen in der IBAN ein (4er Blocks), damit Ihr Kunde nicht abzählen muss.

 

Ihr Kunde wird es Ihnen danken.

 

29 Feb 2016

Isolierung… oder doch nicht?

Ein Begriff im Baubereich wird ständig gewerksübergreifend verwendet, doch nur ein handwerklicher Fachbereich darf diesen zurecht anwenden.

Die Isolierung.

Und wer darf nun? Jepp, der Elektriker.

Auch die Industrie, Planer und manchmal sogar Sachverständige verwenden den Begriff >Isolierung< für Bauleistungen, welche der Isolierung bestimmungsmäßig nicht gerecht wird.

Es lässt sich heute nicht prüfen, ab wann die Isolierung den gewerkübergreifenden Siegesweg angetreten hat und warum gerade die Bauschaffenden ihn so inflationär verwenden.

 

Ein paar >falsche Isolationen< aus der Baupraxis:

Hausisolierung         Wärmedämmung

Dachisolierung         Dampfsperre / Dampfbremse, Auf- oder Zwischensparendämmung, Dachabdichtung

Mauerisolierung       Bauwerksabdichtung

Isolierglas                 Wärmeschutzglas

Rohrisolierung          Rohrdämmung

Schallisolierung        Schalldämmung

Isoliergrund              (Ab-) Sperrgrundierung

 

Besonders schön, wenn Fachfirmen Ihre Leistungen zum Beispiel so anbeiten:

„Wir bieten Ihnen energetisch optimierte Innovationen für Ihre Isolierung und Dämmung“ oder „Kosten sparen durch Isolierung und Dämmung“ oder „Hochwertige Dämmtechnik für die Wärmeisolierung“

Bleibt zu hoffen, dass ein Handwerker seinem Kunde immer das liefert was bestellt wurde. Also, der Kunde nicht eine Dämmung für sein Flachdach bekommt, obwohl nur eine Abdichtung gemeint war. :-)

In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Isolierung.

 

11 Feb 2016

Und ewig grüßt der Mangelbegriff

Heute möchte ich einmal fragen, warum Juristen den Begriff „Mangel“ verwenden, wenn es um die Beweisfragenstellung in Rechtsstreitigkeiten geht?

Ok, zumindest gibt es ab und an den Versuch, dass Fragestellungen auf „technische Mängel“ eingrenzt werden.

Egal wie man das Kind nun bezeichnen mag (ob technisch oder nicht), es bleibt die Mangelbezeichnung… und das-ist-und-bleibt ein rechtlicher Begriff, welcher durch einen Sachverständigen nicht beantwortet werden kann.

Es geht noch irreführender, wenn den „armen“ Sachverständigen im Beweisbeschluß auferlegt wird, dass sie „…nur die …technischen Mängel beurteilen sollen.

Allein aus einer solchen Fragestellung („Mängel“ und „beurteilen“) werden Fallstricke für den Sachverständigen konstruiert, welche selbst ein gutes, fachlich fundiertes Gutachten zu nichte machen kann (Befangenheitsantrag), wenn der Sachverständige die Beweisfrage in gutem Glauben, Wort-für-Wort beantwortet.

 

Bau-Sachverständige beschreiben und bewerten ausschließlich technische Sachverhalte, auf deren fachliche Richtigkeit und regelkonforme Ausführung, nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik!

Ob sich hieraus ein Mangel ergibt? Das beurteilt dann ein Richter.

 

Beispiel: „Wärmedämmung (Material) in der Bauanschlußfuge zum Fenster“

In 2005 wurde in der VOB Teil C DIN 18355 „Tischlernorm“, der Passus zu den Dämmstoffen in der Bauanschlußfuge geändert. Sprach man in der Ausgabe 2004 allgemein von Dämmstoffen, wurde dies in  „mineralische Dämmstoffe“ eingegrenzt. (Abschnitt 3….)

In 2005 konnte diese „kleine“ Änderung fatale Auswirkungen auf die Bauschaffenden haben, wenn a) die VOB im Werkvertrag verbindlich vereinbart wurde und b) der Handwerker die Anschlußfuge mit Ortschaum befüllte. Gemäß Soll-Istzustand stellte dies eine negative Abweichung (VOB) dar und ein Bauherr konnte auf den Rückbau bestehen… ob notwendig/angemessen/sinnvoll oder nicht.

Nur hatte das nichts mit den allgemein anerkannten Regeln der Technik zu tun, wo sich Ortsschäume, bei regelkonformer Anwendung, längst bewährt hatten.

Soll heißen, aus technischer Sicht konnte die regelkonforme Ausführung mit Ortschäumen nicht beanstandet werden, allerdings widersprach das der vertraglich geschuldeten Leistung.

 

PS: In der VOB Ausgabe 2006 wurde dieser „Fehlschuß“ aus 2005 wieder berichtigt. Fortan (bis heute) steht dort wieder „Dämmstoffe“

PPS: Es gibt heute noch Planer die glauben, dass Ortschäume unzulässig als Dämmmaterial in der Bauanschlußfuge sind.

 

3 Feb 2016

Bauen heute – Wir müssen umdenken!

Wird es nicht heute Zeit, dass sich die Bauschaffenden wieder auf das Basiswissen des Bauens besinnen, anstatt immer höherer energetischer Effizienz im Hochbau zu realisieren, welche schon seit einigen Jahren nicht mehr beherrschbar umgesetzt werden kann?

Warum kommt keiner auf die Idee, voran die Architekten- und Handwerkerverbände, dies auch mal in letzter Konsequenz auszusagen und entsprechend die (Not-) Bremse zu ziehen?

Wir werden die sanierungsbedürftige Quittung erhalten, welche sich heute schon abzeichnet.

Es steht außer Frage, dass Wohnräume so wenig wie möglich Energie zur Beheizung benötigen sollten. Es muss und sollte endlich konsequent diskutiert werden, wie wir dazu kommen!

Es kann nicht das Ziel sein, dass wir dem Irrglauben unterliegen, dass ein Passivhaus langfristig schadenfrei bleibt, oder das ein +Energiehaus wirtschaftliche Erträge generiert.  Das ist milde gesagt „Bauernfängerei“. Die Kosten für Unterhalt der Anlage(n) und notwendige Rücklagen für Sanierung/Instandsezung werden die „angedachten Gewinne“ langfristig auffressen.

Gehen wir einen Schritt zurück und bleiben im HEUTE. Wie wird heute gebaut und wie reagieren Planer/Industie/Handwerker auf immer wiederkehrende Mängel der stetig steigenden energetischen Anforderungen?

Planer/Architekten/Bauleiter: Mal ehrlich, hier gibt es kaum Gegenwehr, obwohl genau diese Berufsgruppen es besser wissen sollte. Und es wird drauflos geplant/gebaut… und die Bauleiter immer mit den neuesten Produktdatenblättern in der Seitentasche, um überhaupt noch im Bilde zu sein, was der Handwerker gerade einbaut. Verstehen was darin steht? Nein, dass geht zeitlich nicht (mehr). Und immer die Hoffnung, dass innerhalb 5 Jahren keine Mängelanzeige erstattet wird.

Industrie: Es gibt momentan kein besseres „Schlachtfeld“ als die Baubranche, wenn es um neue „innovative“ Produkte geht. Selbst eierlegende Wollmilchschweine werden (fast) versprochen. Problem nur, dass diese Produkte weder die langfristige Eignung (a.a.R.d.Technik) bewiesen haben, oder das Produkt grundsätzlich für den angedachten Einsatzbereich geeignet ist, was in den Datenblättern/Prüfzeugnissen explizit eingegrenzt wird… nur das sagt der Hersteller nicht… zu Lasten des Bauherrn, Planers und Handwerkers.

Handwerker: Die „Ärmsten“ in dem ganzen Prozedere. Sie müssen über die aktuellsten Produkte und entsprechenden Normen, Leitfäden und sonstige Abhandlungen im Bilde sein (ist meistens nicht leistbar). Leider „rennt“ so mancher seriöse Handwerker ins Verderben, weil er genau DIE oder DIE andere Handlungsempfehlung des Herstellers oder aktualisierte Norm nicht gelesen hat.

Der Bauherr: Ja auch der Bauherr hat eine Mitschuld, wenn er glaubt, dass er für den Preis eines „POLOs“ eine „E-Klasse“ bekommt… mit dem sich auch der Planer und Handwerker konfrontiert sieht.

Was ist die Lösung?: Ich weiß es in der Gesamtheit auch nicht. Aber es muss der Anfang gemacht werden umzudenken. Also vielleicht sogar wieder zurück zur monolytischer Bauweise, mit energieeffizienten tragfähigen Bausteinen in ausreichender Stärke. Und den Grundsatz aufgeben, dass wir Enegerie „einsparen“ können (geht physikalisch eh nicht), sondern wie uns zur Verfügung stehenden regenerativen Energiequellen noch viel effizienter genutzt werden können. Hier sollten die Förder- und vor allem Forschungsmittel des Staates investiert werden.

Zukunftsvision?: Man stelle sich vor, dass in vielleicht 20-30 Jahren jedes Haus eine 1,0 m² Photozelle auf dem Dach hat, was ein ganzes Haus mit ausreichend Heizleistung und Stom versorgen kann und auch die Spitzenertragszeiten, in einem kostenkünstigen Speichermedium sichern kann. Wenn dem so wäre… warum dann noch „Energie sparen“… an der Gebäudehülle!

So oder so ähnlich kann es aussehen? Oder doch nicht?

Nur mal so zum Nachdenken.

 

 

25 Jan 2016

Gutachter als sachverständiger Zeuge

Wird ein Privatgutachter von einem Gericht als sachverständiger Zeuge geladen, können dem Gutachter hieraus erhebliche finanzielle Einbußen entstehen. Wie man dem entgegenwirken kann, wird anhand des folgenden Fallbeispiels erklärt.

Fallbeispiel

Ein Sachverständiger  wird von einer Bauherrschaft, mit der Erstellung eines Privatgutachtens zu Ausführungsmängel des Bauunternehmers XY beauftragt. Mit dem Gutachten fordert die Bauherrschaft XY auf, die Instandsetzung durchzuführen… ohne Erfolg. XY erkennt die im Gutachten beschriebenen Mängel nicht an. Die Bauherrschaft klagt geben XY. Im Prozessverlauf wird der Sachverständige vom Rechtsanwalt der Bauherrschaft als „sachverständiger Zeuge“ zur Anhörung vor Gericht geladen.

Als sachverständiger Zeuge steht dem Sachverständigen eine Entschädigung des Zeitaufwands nach JVEG von 3,50€/Std. zu. Hinzu kommt noch die Entschädigung der Fahrtkosten. Eine höhere Vergütung lässt sich für einen selbstständigen Sachverständigen nur mit erheblichem Aufwand darstellen. Dies allerdings steht meist in keinem Verhältnis, zur Höhe der zusätzlichen Vergütung.

Was nun?

Vertragliche Regelung:

Zur Vermeidung finanzieller Nachteile ist es ratsam, dass man diese Eventualität in den Werkvertrag mit seinem Auftraggeber einbindet. D.h. dass die Differenz vom vereinbarten Stundensatzes als Privatgutachter zum Vergütungssatz als sachverständiger Zeuge, vom Auftraggeber erstattet werden muss. Es kann auch der Stundensatz als Sachverständiger nach JVEG vereinbart werden.

Auf die Fragestellungen während der Anhörung achten:

Während einer Anhörung werden von den Parteien und/oder auch vom Richter Fragen zum Sachverhalt an den Sachverständigen gestellt. Hier muss der Sachverständige mit „gespitzen“ Ohren darauf achten, welche und wie die Fragen gestellt werden. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob der Sachverständige nur einen Sachverhalt beschreiben, welchen er z.B. bei einem Ortstermin gesehen hat, oder ob er diesen Sachverhalt auch sachkundig bewerten soll! Falls eine sachkundige Bewertung verlangt wird, sollte man den Richter informieren, dass z.B. „die Frage nicht als Zeuge aber als Sachverständiger beantwortet werden kann“. Wird das bejaht, sollte man den Richter bitten (wenn er dies nicht schon von sich aus macht), dieses im Vergütungsformular zu vermerken. Dies hat die Auswirkung, dass der Anhörungstermin (inkl. Fahrtzeiten) mit dem Std.-Satz als Sachverständiger (nach JVEG) entschädigt wird.

 

7 Jan 2016

Wunderschaum: Antworten

Am 12.12.2015 schrieb ich einen Beitrag Zum Thema „Wunderschaum“.
Eigentlich nur eine finale Beschreibung meinerseits, welche das „Wunder“ klarstellen sollte.

Seit dem 12.12.2015 wurden mir ca. 100 E-Mails gesendet… von Handwerksfirmen, Architekten und Bauherren.

Ich bitte schon jetzt zu entschuldigen, dass ich die Fragen nicht alle einzeln per mail beantworten kann.

Die häufigsten gestellten Fragen versuche ich nun zusammenfassend zu beantworten.

Frage 1:
Sie schreiben „wortwörtlich brandgefährlich“! Was bedeutet das? Habe ich ein Problem, wenn mein Fensterbaubetrieb den Kleber eingebaut hat?“

Eine Zulassung für den Brandschutz (B2) des Klebers besteht nur bis zu einer Baufuge von 15mm. Jede Klebefuge die größer/breiter ist (als das Prüfzeugnis ausweist), entspricht somit der Brandschutzklasse B3.

Frage 2:
Die Händler und Hersteller schreiben doch, dass der Kleber luft- und schlagregendicht ist! Wieso muss ich als Verarbeiter mich mit Zeugnissen rumschlagen, welche der Hersteller hat erstellen lassen?“

Die Prüf-Zeugnisse für den Kleber unterliegen exakt definierten Einbausituationen, welche ZWINGEND einzuhalten sind. Deswegen sollte sich jeder Verarbeiter die Prüfzeugnisse GENAU durchlesen. Abweichende Einbausituationen können abweichende Leistungseigenschaften nach sich ziehen.

Frage 3:
Mir wurde genau dieser Schaum/Kleber für unsere neuen KS-Fenster und -Türen in unserem Haus angeboten. Also die Firma will nur den Kleber einbringen und dann raum- und außenseitig mit Flachleisten anschließen und mit Acryl versiegeln? Alles wäre nach Enev, etc… Stimmt das?

Wenn die vordefinerte Fugenbreite stimmig ist (wo ist diese schon im Bestandsbau vorhanden), kann es vielleicht funktionieren. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob auch unter Realbedingungen der Montage so exakt geschäumt/geklebt wird wie im Labor. Nicht zu vergessen, dass es sich bei dem vermeindlichen Kleber nicht um ein Befestigungsmittel handelt. Der EInsatz dieser Kleber ersetzt nicht die mechanische Befestigung der Elemente im Baukörper.

Fazit:

In der Regel, wird man nicht die definierten Vorgaben im Altbau vorfinden und die Schaffung (Leibungsvorbereitung) hierzu, ein weit höheres Maß an Manpower und Material benötigt, als ein Wunderschaum an Vorteil bringen mag.